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Lernwerkstatt: Das kleine Gespenst

 

 

Kurzbeschreibung

Einbeziehung eines für die Schüler erstellten Lernprogramms in die Arbeit mit der Literatur-Kartei zum Kinderbuch von Otfried Preußler.

Fächer / Lernfelder

Deutsch

Lerngruppe

3. Klasse (12 Schüler/innen), Sprachheilschule/Grundschule

Ansprechpartner/in

Martina Wilkens,  Wilkens@lo-net.de , Sprachheilschule Wilhelmsburg, LZ 604/5765

Zeitrahmen

Stundenumfang der gesamten Unterrichtseinheit ca. 20 Doppelstunden.Zeitbedarf für das PC-Lernprogramm Das kleine Gespenst ca. 20 bis 30 min pro Schüler/in in Einzel- oder Partnerarbeit.

Lernziele

-          Lesen einer Ganzschrift,

-          Überprüfung des Leseverständnisses und Festigung des gelesenen Textes durch die selbständige Bearbeitung der Lernwerkstatt „Das kleine Gespenst“ und des PC-Lernprogrammes,

-          Anwenden von Medienkompetenzen (PC-Lernprogramm).

Anforderungen und Voraussetzungen

Qualifikation (Lehrende):

-          Gute Grundlagen im Umgang mit dem PC,

-          Grundlagen im Umgang mit dem Programm Clic 3.0                                     

Vorkenntnisse (Schüler/innen):

-          Grundlagen im Umgang mit dem Computer.

Unterrichtsmaterial:·     

-          Otfried Preußler: Das kleine Gespenst, Thienemanns Verlag, Stuttgart – Wien – Bern, 1975, ISBN 3 522 11080 3·    

-          Ursula Hänggi: Literatur-Kartei: „Das kleine Gespenst“, Verlag an der Ruhr, 1996, ISBN 3 86072 268 9·

-          Clic 3.0: kostenloser Download und Beschreibung unter www.eduhi.at/clic

Dokumentation

Das Lernprogramm liegt bei der Autorin vor.

 

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Projektskizze

 

Vorbereitung:

Für die UE wurde in der Öffentlichen Bücherhalle für jede/n Schüler/in ein Exemplar des Buches „Das kleine Gespenst“ ausgeliehen. Sämtliche Arbeitsblätter und Spiele wurden kopiert bzw. hergestellt und in gekennzeichneten Fächern im Klassenraum bereitgestellt. Ein Arbeitsplan, auf dem alle Aufgaben incl. der Bearbeitung des PC-Programms aufgelistet waren, wurde erstellt und für jedes Kind auf farbigen Karton (180 g) kopiert. Da es zu diesem Thema keine Software, Internetseiten o.ä. gab, erstellte ich mithilfe von „Clic 3.0“ ein Lernprogramm für diese UE. Neben Puzzles waren auch Zuordnungsaufgaben, Verständnisfragen zum Text, Rechtschreib- und Grammatikaufgaben enthalten.  Dieses Lernprogramm wurde auf dem PC in der Medienecke der Klasse installiert.

 

Durchführung:

Die täglichen Unterrichtsstunden dieser UE begannen grundsätzlich mit dem gemeinsamen Lesen eines Kapitels des Buches. Jede/r Schüler/in sollte möglichst täglich laut vorlesen. Der Umfang der jeweiligen Textstellen richtete sich nach dem jeweiligem Lesevermögen. Dabei erfolgte die dringend notwendige Klärung von Begriffen, denn es zeigte sich immer wieder, dass die Kinder Probleme mit der „altmodischen“ Sprache des Buches hatten. Im Anschluss daran legten die Schüler/innen fest, welche Aufgabe sie in der Stunde bearbeiten bzw. beenden wollten und ob dieses in Einzel- oder Partnerarbeit erfolgen sollte. Diese Besprechung wurde von den Kindern selbst geleitet und war dringend erforderlich, da nur ein PC mit dem Lernprogramm (ca. ab der 6. Stunde der UE) und jeweils ein Exemplar der Spiele vorhanden war. Dann wurden die zur Verfügung stehende Arbeitszeit und der Zeitpunkt für die Schlussrunde bekannt gegeben. Beendete Arbeiten wurden von mir sofort kontrolliert und mit einem „Gespenster-Stempel“ im Arbeitsplan quittiert bzw. Anregungen für die Überarbeitung gegeben. Wenn die Zeit es zuließ, konnten sich die Kinder eine weitere Aufgabe für die Stunde wählen.

 

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Bezug zu den didaktischen Kernsätzen

 

Zielebene Lernende:

 

X        sinnvolle Auswahl und Nutzung von Medienangeboten

        Gestaltung, Präsentation und Verbreitung eigener Medienbeiträge

X        Verstehen und Bewerten von Medien

        Erkennen und Aufarbeiten von Medieneinflüssen

       Einschätzung der Bedingungen von Medienproduktion und –verbreitung

        Anwendung von Problemlösungstechniken und Einsatz von Werkzeugen  

 

 

 

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Organisatorisches 

 

 

-          Für die Unterrichtseinheit wurden die Deutsch-, Musik- und Kunstwochenstunden genutzt, da diese Unterrichtsfächer vorrangig in der Lernwerkstatt in Form von Arbeitsaufträgen berücksichtigt sind.

-          Unterrichtsort: Klassenraum

-          Damit die UE trotz der hohen Stundenanzahl zügig beendet werden konnte, wurden tägliche Stunden eingeplant. 

-          Die sehr heterogene Lerngruppe machte eine Differenzierung des Angebotes erforderlich.

-          Die Organisationsform „Lernwerkstatt“ ermöglicht es jedem Kind, in dem ihm eigenen Lerntempo zu arbeiten und sich angemessene Aufgaben auszuwählen, ohne etwaigen Diskriminierungen ausgesetzt zu sein oder durch schwächere Schüler „gebremst“ zu werden.

 

 

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Partner

 

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Erfahrungen

 

Erfahrungen aus der Perspektive der bzw. des Lehrenden:

Im Bezug auf die UE:

Es zeigte sich, dass der überwiegende Teil der Klasse bislang keine Ganzschrift gelesen hatte. Als ich die Bücher den Kindern zum ersten Mal zeigte, kamen Äußerungen wie:

-          „Das Buch sollen wir doch nicht etwa ganz durchlesen?“

-          „Ist das alles eine Geschichte?“

-          „Das Buch bekommen wir doch bestimmt vorgelesen?“

-          „Das schaffe ich nie!“

Die anfänglichen Vorbehalte legten sich jedoch schnell, da alle Kinder das kleine Gespenst und seine Abenteuer schnell ins Herz schlossen. Viele Schüler/innen gaben sich mit dem täglichen Lesen in der Klasse nicht zufrieden und lasen zu Hause freiwillig weiter.

 

Es zeigte sich jedoch, dass viele Schüler/innen nur über einen reduzierten Wortschatz verfügten und viele Begriffe aus dem Buch gemeinsam geklärt werden mussten. Die Ursachen hierfür sind nach meiner Beobachtung vielfältig:

-          „Altmodische“ Begriffswahl des Buches

-          Besondere Situation der Schüler der Sprachheilschule (Sprachentwicklungsstörungen)

-          Zweisprachigkeit

-          Spracharmmut der Umwelt

-          Oftmals reduzierter Wortschatz von Schulbüchern: Kurze Fibeltexte oder Lesetexte in Rechtschreiblehrgängen (z.B. Elefantenbuch) arbeiten mit einem sich wiederholendem Wortschatz, der zwar der Festigung eines bestimmten Wortbestandes dienlich ist, aber die Vielseitigkeit sprachlicher Ausdrucksmöglichkeiten nicht so vermitteln kann, wie es in einer Ganzschrift möglich ist.

Das sinnentnehmende Lesen unbekannter längerer Texte stellte für viele Schüler/innen vor Beginn der UE ein erhebliches Problem dar. Im Laufe der UE machte die gesamte Klasse, trotz der zuvor dargestellten Schwierigkeiten im Umgang mit dem Wortschatz, deutliche Fortschritte in diesem Bereich.

Während der Absprachen, welche Arbeiten die Kinder sich für die jeweilige Stunde vorgenommen haben und zunehmend auch in den Abschlussrunden, habe ich die Gesprächsleitung den Schülern überlassen. Nach kurzen „Anlaufschwierigkeiten“ wurde ich als Schiedsrichterin bei Auseinandersetzungen über die Vergabe von interessanten Arbeiten (Spiele, Arbeit am PC) nicht mehr benötigt. Es entwickelte sich ein fairer und partnerschaftlicher Gesprächsstil, von dem die gesamte Klasse bis heute profitiert.

 

Im Bezug auf das PC-Lernprogramm:

Die Schüler/innen meiner Klasse sind daran gewöhnt, dass die meisten UE’s  neben „herkömmlichen“ Arbeitsblättern, Spielen, Arbeit mit Sachbüchern und sonstigen Medien auch immer eine „Computeraufgabe“ beinhalten. Dieses können käufliche Lernprogramme, Schreibaufgaben, Malaufgaben, elektronische Arbeitsblätter und immer häufiger speziell für die jeweilige UE und die Klasse erstellte Lernprogramme sein.

 

Der Vorteil dieser selbsterstellten Lernprogramme ist die gezielte Anpassungsmöglichkeit an die Lerngruppe und den Lernstoff. Gerade das Vorhandensein nur eines Computers für die gesamte Klasse macht eine zeitliche Straffung und Planbarkeit der PC-Arbeitsaufgaben notwendig. Viele käufliche Lernprogramme sind zwar hervorragend multimedial aufbereitet, es dauert jedoch einfach zu lange, bis die Schüler die für sie wichtigen Teile bearbeiten können. Oftmals ist die Anpassung an das Niveau der Schüler/innen und die in Unterricht vermittelten Lerninhalte nicht möglich. Dieses wird beim Einsatz in der Sonderschule besonders deutlich und ließen mich nach Alternativen suchen.

 

Es erfordert natürlich einen gewissen Arbeitsaufwand, ein Programm speziell für die eigene Klasse zu entwickeln. Dieser ist nach einer anfänglichen Einarbeitungszeit in „Clic 3.0“ jedoch geringer, als zuerst vermutet.  Meine Erfahrungen damit waren (und sind) jedoch durchweg positiv. Die Schüler/innen waren begeistert von „ihrem“ Programm und arbeiteten noch motivierter, als sie es am Computer ohnehin schon immer waren. Die Anpassung an die Erfordernisse der Lerngruppe und die Inhalte der UE machten die mancherorts fehlende „Professionalität“ des Programms wett und führten zu guten Lernerfolgen.

 

Obwohl dieses gar nicht von mir geplant war, stellten sich schnell erste kritische Auseinandersetzungen mit dem Programm ein. Ich bekam Hinweise von der Klasse, in welchen Übungen die Arbeitsanweisungen zu kompliziert waren, einige Schüler wünschten sich eine andere Abfolge der Übungen, eine Schülerin bemängelte die zu kleine Schriftgröße in der „Lückentext-Aufgabe“, der Schwierigkeitsgrad der Übungen wurde diskutiert und Arbeitsblätter wurden gedanklich in PC-Aufgaben umgesetzt. Ich habe diese Anregungen mit den Kindern besprochen und eine Reihe der Vorschläge umgehend - in aller Regel zum nächsten Tag - in das Programm übernommen.

 

 

Erfahrungen aus der Perspektive der Lernenden:

 

Im Bezug auf die UE:

-          Lernen macht Spaß: Die Schüler/innen arbeiteten hochmotiviert an der Lernwerkstatt: „Das kleine Gespenst“ und konnten so viele Erfolgserlebnisse verzeichnen.

-          Ich kann lesen: Die Schüler/innen verbesserten ihre Fähigkeit, sinnentnehmend zu lesen.

-          Lesen macht Spaß: Die Schüler/innen haben die Angst vor Büchern verloren. Einige Kinder leihen sich inzwischen auch außerhalb des Unterrichts Bücher aus der Bücherhalle aus. Die Klasse forderte nach Beendigung der UE gleich die nächste „Lese-Werkstatt“.

-           

Im Bezug auf das PC-Lernprogramm:

-          PC-Programme werden von Menschen gemacht: Diese Erfahrung ist umso konkreter, wenn die Kinder den Menschen -in diesem Fall ihre Klassenlehrerin- kennen.

-          Auch PC-Programme sind nicht perfekt: Kritischer Umgang mit dem Computer bzw. PC-Programmen ist besonders lohnend, wenn der Entwickler des Programms ansprechbar ist.

-          Mit dem passenden Programm kann ich besser lernen/arbeiten: Kritischer Umgang mit Lernprogrammen und die Anpassung an die individuellen Bedürfnisse führen zu besseren Lernerfolgen und mehr Spaß bei der Arbeit.

-          Konstruktive Kritik lohnt sich: Ernsthafte und fundierte Kritik und Anregungen werden ernst genommen und in Form von Programmüberarbeitungen berücksichtigt. 

 

 

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