Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg
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PISA 2003: Hamburg im Ländervergleich

Am 14. Juli 2005 wurden auf Wunsch der Kultusministerkonferenz erste Ergebnisse des zweiten PISA-Ländervergleichs vorab veröffentlicht. Der 18 Seiten umfassende Vorbericht präsentiert Übersichten mit den Ländermittelwerten, Standardfehlern und Leistungsverteilungen in den Kompetenzbereichen Mathematik, Leseverständnis, Naturwissenschaften und Problemlösen. Darüber hinaus werden auf der Basis eines Mittelwertvergleichs Veränderungen gegenüber PISA 2000 mitgeteilt – allerdings ohne Hamburg und Berlin, die seinerzeit die Mindestteilnahmequoten (80 Prozent) verfehlt hatten; lediglich die Gymnasien konnten in den ersten Ländervergleich einbezogen werden.

Diesmal lag die Beteiligung in Hamburg bei rund 94 Prozent (Tests) bzw. knapp 80 Prozent (Fragebogen). Getestet wurden jeweils 25 Fünfzehnjährige aus 37 Gesamtschulen, 16 Integrierten Haupt- und Realschulen, 35 Hauptschul- und 29 Realschulzweigen sowie aus 42 Gymnasien, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden waren. Zwischen dem 20. April und 31. Mai 2003 bearbeiteten die Schülerinnen und Schüler 120 Minuten lang eins von 13 verschiedenen Testheften mit jeweils vier Aufgabenblöcken, anschließend füllten sie bei vorliegender Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten rund eine dreiviertel Stunde lang einen umfangreichen Fragebogen aus.

Die Hamburger Jugendlichen belegen Platz 15 im Bereich der mathematischen Kompetenz, Platz 13 in der Lesekompetenz und Platz 14 im Bereich der naturwissenschaftlichen Kompetenz. Zum Vergleich: Im PISA-2000-Ländervergleich lagen die Neuntklässler aus den Hamburger Gymnasien auf den Plätzen 14 (Mathematik) und 13 (Leseverständnis, Naturwissenschaften). Mit 19 (Mathematik), 22 (Lesen) bzw. 13 Punkten (Naturwissenschaften) liegen die im Mittel erreichten Testleistungen jeweils signifikant unter dem OECD-Durchschnitt. Günstiger fällt das Ergebnis im Problemlösen aus: Mit 5 Punkten über dem Mittelwert der 31 OECD-Staaten liegen die Hamburger Schülerinnen und Schüler im bundesdeutschen Vergleich auf Platz 10.

Die Berücksichtigung des ökonomischen, sozialen und kulturellen Status der Schülerschaft sowie des Migrationshintergrundes („Adjustierung“) führt zwar zu einer „Korrektur“ des Mittelwertes (in Mathematik um 7 Skalenpunkte) und infolge der zum Teil erheblichen Unterschiede zwischen den Ländern zu einem günstigeren Rangplatz (im Mathematik Platz 12 statt Platz 14), allerdings gehört Hamburg zur Gruppe jener Länder, in denen ein insgesamt niedriges Kompetenzniveau mit einer engen Kopplung an die soziale Herkunft der Schülerinnen und Schüler einhergeht.

Erste Aufschlüsse über die zugrunde liegenden Strukturen gibt eine genauere Betrachtung der Leistungsverteilungen in den einzelnen Kompetenzbereichen. So ist anhand der Perzentilbänder für die mathematische Kompetenz festzustellen, dass das obere Leistungsviertel der Hamburger Schülerinnen und Schüler innerhalb des OECD-Durchschnitts liegt und mindestens die Kompetenzstufe 4 erreicht, dass aber das untere Leistungsviertel allenfalls die Kompetenzstufe 1 erreicht und ein nennenswerter Teil der Schülerschaft nicht einmal über elementare mathematische Fähigkeiten sicher verfügt.

Ähnliches gilt für die naturwissenschaftliche Kompetenz. Auch hier erreicht das obere Leistungsviertel der Hamburger 15-Jährigen mindestens die Kompetenzstufe 4 und liegt innerhalb des OECD-Durchschnitts, während das untere Viertel, insbesondere die untersten 10 Prozent der Schülerschaft, lediglich über elementare Kenntnisse verfügt.

Auch im Bereich der Lesekompetenz liegt das obere Viertel der Hamburger Schülerschaft innerhalb des OECD-Durchschnitts, hier gehören die 10 Prozent leistungsstärksten 15-Jährigen sogar zu den „Top Ten“ der berichteten OECD-Staaten. Wiederum ist das ungünstige Abschneiden im nationalen und internationalen Vergleich auf die schwachen Leistungen des unteren Viertels zurückzuführen, das allenfalls über elementare Lesefähigkeiten verfügt.

Der Leistungsabstand zwischen leistungsstarken und leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern ist in kaum einem anderen Land so ausgeprägt wie in Hamburg. Insbesondere die Förderung des unteren Leistungsviertels erweist sich im nationalen wie internationalen Vergleich als unzureichend. Dass die Schülerinnen und Schüler dieser „Risikogruppe“ über ein weit höheres Lernpotenzial verfügen, zeigen die Ergebnisse im Problemlösetest: In diesem Kompetenzbereich liegt auch das untere Viertel innerhalb des OECD-Durchschnitts. Die Schülerinnen und Schüler dieser Gruppe sind also durchaus in der Lage, komplexe Aufgabenstellungen zu verstehen und ihr Wissen auf alltagspraktische Problemsituationen anzuwenden.

Dabei ist zu bedenken, dass sich ein erheblicher Teil dieser Jugendlichen infolge von Späteinschulung und Klassenwiederholung zum Testzeitpunkt erst in der 8., etliche sich sogar erst in der 7. Klassenstufe befanden. Hinzu kommt, dass die zwischen 1993 und 1995 eingeschulten Schülerinnen und Schüler aufgrund der damaligen Stundentafel insbesondere in der Grundschule erheblich weniger Unterricht gehabt haben als beispielsweise die bayerischen Schülerinnen und Schüler – die Verlässliche Halbtagsgrundschule wurde erst in der zweiten Hälfte der 90er Jahre eingeführt.

So weisen die Ergebnisse der KESS-Untersuchung, die etwa zeitgleich mit PISA 2003 in den vierten Klassen der Hamburger Grundschulen durchgeführt wurde, darauf hin, dass die in den zurückliegenden Jahren ergriffenen Maßnahmen zur besseren Förderung insbesondere sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler erste Früchte tragen – so lagen die 1999 eingeschulten Hamburger Viertklässler in Mathematik sogar vor Bayern.

In der PISA 2003-Untersuchung bildet Der Bereich "Mathematische Kompentenz" den Schwerpunkt. Über die folgenden Links findet man dazu Hintergrundinformationen.

Abteilung Qualitätsentwicklung und Standardsicherung
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20537 Hamburg
Dr. Jan Poerschke
Leitung LIQ
Tel.: (040) 42 88 42 - 221
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