Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg
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Sprachförderung

Sprachförderung mit Konzept

Die Bedeutung von Sprachkompetenz für alle Schulfächer ist durch die PISA – Studien und die darin dokumentierten schwachen Resultate vieler Kinder und Jugendlicher mit Migrationshintergrund – in Hamburg ist dies immerhin ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler - ins allgemeine Bewusstsein gerückt. Das Beherrschen der deutschen Sprache ist Grundvoraussetzung für jede(n) einzelne(n) Schülerin bzw. Schüler, ihre bzw. seine Fähigkeiten in den Unterricht einzubringen und seine Kenntnisse zu erweitern. Deshalb zielt die Sprachförderung insbesondere auf den Aufbau von schul- und bildungssprachlichen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen. Sie sind die Grundlage dafür, in der deutschen Sprache Inhalte und Zusammenhänge zu verstehen, zu verarbeiten, gedanklich zu erschließen und formulieren zu können. Diese sprachlichen Kompetenzen sind auch bei Kindern und Jugendlichen aus sogenannten bildungsfernen Elternhäusern zu fördern.
Das Bundesland Hamburg hat als Antwort auf diese Herausforderung im Schuljahr 2004/05 das Hamburger Sprachförderkonzep für alle allgemeinbildenden Schulen entwickelt und eingeführt.

Sprachlernkoordinatorinnen

Ein besonderes Merkmale dieses Konzeptes ist die neue Funktion „Sprachlernkoordinatorinnen und Sprachlernkoordinatoren“ an allen allgemeinbildenden Schulen. Die von den Schulen benannten Lehrkräfte erhalten im Landesinstitut eine zweijährige verbindliche Ausbildung, um Aufgaben zur Sprachbildung und Sprachförderung übernehmen und ein schuleigenes Konzept dazu erstellen zu können. In der Ausbildung geht es einerseits um die fachliche Qualifizierung in allen Bereichen der sprachlichen Förderung und andererseits um die Kompetenzentwicklung, das behördliche Konzept in den Schulen umzusetzen.

Umfassende Diagnostik

Da das Hamburger Sprachförderkonzept den Anspruch einer individuellen und diagnosegestützten Sprachförderung verfolgt, ist eine unumgängliche Aufgabe der SLK, geeignete Diagnoseinstrumente zu kennen und an der Schule zu implementieren. Die Vorstellung unterschiedlicher diagnostischer Verfahren, die über sprachliche Stärken und Schwächen von Schülerinnen und Schülern Auskunft geben und somit notwendige Informationen zur Sprachförderung liefern, ist ein wichtiger Baustein der Ausbildung durch das LI. Durch eine konsequente Nutzung differenzierter Tests wird eine allgemein verbindliche diagnosegestützte Förderarbeit auf den Weg gebracht.

Additive Sprachförderung

Auf die Diagnose folgt eine alters- und sprachstandsbezogene Förderung, die auf Fallkonferenzen in Förderplänen festgelegt wird. Diese erfolgt bei Kindern und Jugendlichen mit einem ausgeprägten Sprachförderbedarf additiv, d.h. in einer zusätzlichen Lernzeit, außerhalb des Unterrichts, und zu einem kleinen Teil in Förderbändern während der Unterrichtszeit. Notwendige Ressourcen werden den Schulen nach einem festgelegten Schlüssel zugewiesen. Die SLK erhalten fachliche Einweisungen in die Erstellung von Förderplänen und zur organisatorischen Umsetzung der Förderung.

Integrative Sprachförderung

Eine weitere Möglichkeit, die „integrative Sprachförderung“ bezieht sich auf den Regelunterricht. Hier werden Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts aufgrund einer Diagnose individuelle Lernmöglichkeiten eröffnet unter der Fragestellung „Was kann die Schülerin oder der Schüler?“ Die Lehrkraft wird also im Unterricht den Blick verstärkt auf die einzelne Schülerin oder den einzelnen Schüler richten, um ihr oder ihm gezielte Lernimpulse zu geben. Binnendifferenzierende Maßnahmen zielen außerdem darauf, dass die sprachlichen Anforderungen im Unterricht auf den jeweiligen Sprachförderbedarf abgestimmt sind. Laut Hamburger Sprachförderkonzept ist integrative Sprachförderung Aufgabe jeder (Fach-)Lehrkraft.
Allen Lehrkräften, vor allem den SLK, werden Fortbildungsveranstaltungen mit dem Schwerpunkt „Fachunterricht und sprachliche Anforderungen“ angeboten. Darüber hinaus haben die SLK die Aufgabe, die Fachlehrkräfte ihrer Schule für diese Aufgabe zu gewinnen. Spezielle Seminare zur Implementierung sind deshalb für die SLK verbindlich.

Frühkindliche Sprachförderung

Besondere Aufmerksamkeit widmet das Konzept der frühkindlichen Sprachförderung , als Start in die Bildungssprache. Zunächst wird durch die standardisierte Viereinhalbjährigen-Untersuchung, eineinhalb Jahre vor Einritt in die Schule, in einer umfassenden Vorstellung der Kinder in der Schule überprüft, ob sie dem späteren Schulbesuch gewachsen sein werden. In diesem Zusammenhang werden die Kinder ermittelt, die sprachlicher Förderung bedürfen. Sie erhalten verpflichtend nach §28a des HmbSG ein Jahr vor Schuleintritt additive Sprachförderung, die in der VSK oder in der Kita durch Lehrkräfte erteilt wird. Nach dem Hamburger Sprachförderkonzept werden die Kinder, wenn sie eine VSK besuchen, dort zu Beginn des Schuljahres mit dem „Hamburger Verfahren zur Analyse des Sprachstandes Fünfjähriger (HAVAS 5) noch einmal auf Sprachförderbedarf überprüft. Die Kinder, bei denen erst zu diesem Zeitpunkt Förderbedarf festgestellt wird, erhalten zusätzliche sprachliche Förderung im Rahmen der Stundenzuweisung ihrer Schule. Die Anwendung lernförderlicher Prinzipien unterstützt die additive Förderung im frühkindlichen Unterricht. Das Landesisntitut bietet zur frühkindlichen Sprachförderung Fortbildungsschwerpunkte an, die sich mit der Vermittlung von Grundsätzen der Sprachförderung, dem Basiswissen für Deutsch als Zweitsprache, der fachlichen Begleitung von Projekten und Workshops sowie der systematischen Jahresplanung von Sprachfördermaßnahmen befassen. Dabei geht es um folgende Ziele: - Systematische Gestaltung additiver Sprachförderstunden für Kinder in Vorschulklassen auf der Grundlage von Diagnoseergebnissen nach HAVAS 5; - Nutzung von Materialien auf der Grundlage einer diagnosegestützten Sprachförderung; - Integration der Elternarbeit (family literacy) in institutionalisierte Prozesse der Sprachförderung
Das seit dem Schuljahr 2003/04 bestehende Kooperationsprojekt „Sprachförderung in Kindertagesstätten unter Mitwirkung von Grundschullehrkräften“ , bereitet Kinder mit anderer Erstsprache auf den Eintritt in die Grundschule erfolgreich vor. Teams aus Erzieherinnen und Erzieher aus den Kitas und Grundschullehrkräften arbeiten in den Kitas mit Kindern, bei denen Förderbedarf festgestellt wurde. Die beteiligten Teams nehmen gemeinsam an den Fortbildungsangeboten des LI teil.

Sprachförderung in der Grundschule

Aufbauend auf die Sprachförderung im Elementarbereich wird die Sprachförderung in der Primarstufe fortgesetzt. In additiven Maßnahmen, die aus der Stundenzuweisung einer Schule für die Sprachförderung organisiert werden, stehen die Entwicklung der Sprachkompetenz in mündlicher und schriftlicher Sprache im Mittelpunkt. Die Sprachförderung in dieser Altersgruppe bezieht sich neben dem weiteren Erlernen der Zweitsprache Deutsch vor allem auf einen erfolgreichen Schriftspracherwerb. Dazu bietet das LI Fortbildungsangebote an, in deren Inhalte Erfahrungen aus früheren Projekten mit ähnlicher oder gleicher Zielsetzung einfließen. In der Primarstufe wird die additive Sprachförderung durch integrative Maßnahmen im Regelunterricht ergänzt.

Sprachförderung in der Sekundarstufe I

In der Sekundarstufe verlagert sich die Gewichtung deutlich von der additiven zur integrativen Sprachförderung. Deswegen werden in verstärktem Maße für Fachlehrkräfte Fortbildungsangebote zu diesem gemacht. Sie werden geschult hinsichtlicht der Unterschiede zwischen der im Alltag verwendeten Sprache und der Fachsprache. Sie erproben Strategien zum Verstehen von Fachtexten und Übungslernen zum Aufbau von Voraussetzungen für die Verwendung von Fachsprache. Ein weiteres Angebot zur Sprachförderung erhalten Schulen in Didaktischen Werkstätten zum Thema „Schreiben“. Ein weiterer Fokus von Sprachförderung in dieser Altersgruppe ist die diagnosegestützte Lesekompetenzförderung. Die LI bietet entsprechende Seminare zu Lesemodellen, Leseaufbau und Lesepatenschaften sowie Projekten wie „Leseförderung mit Hörbüchern“ .

Monitoring

Jeder Ansatz zur verstärkten Integration der Sprachförderung in den Schulalltag soll auch den Aspekt der Nachhaltigkeit Rechnung tragen, um die praktische Umsetzung des Hamburger Sprachförderkonzeptes durch Beobachtungen (Monitoring) zu analysieren und weiterzuentwickeln wurden Methoden und einheitliche Testverfahren entwickelt, mit deren Hilfe vergleichbare Ergebnisse gewonnen und bewertet werden können. Diese Aufgaben werden von der Abteilung Qualitärtsentwicklung und Standardsicherung (LIQ) (link) übernommen. Im Einzelnen geht es dabei um die - Bereitstellung von Unterlagen zur Entwicklung schulspezifischer Förderkonzepte; - Unterstützung der Schulen bei der Diagnostik durch Tests und Verfahren; - Auswertung und Rückmeldung schulbezogener Daten und um die - Berichterstattung über die Umsetzung des Sprachförderkonzeptes.